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warten

seit etwas über zehn jahren schreibe ich tagebuch. phasenweise fast jeden tag, meistens jedoch sehr unregelmäßig und manchmal vergehen wochen und monate, ohne dass ich etwas aufschreibe. nicht das typische “liebes tagebuch, heute passierte dies und jenes…”-tagebuch.

in nutze die zeiten, in denen ich alleine zuhause bin und versuche, mir davon ein halbe stunde zu nehmen. ich mache mir einen kaffee, schnappe mir meine bücher, kuschel mich in meine sofaecke und versuche still zu werden. zu beten. meine sorgen, gedanken, gefühle, wünsche abzuschalten oder neu zu ordnen. manchmal lese ich in der bibel, manchmal versuche ich auch einfach nur zur ruhe zu kommen.

und ich schreibe auf, was in mir vorgeht. beim schreiben kann ich sortieren und manchmal klarer erkennen. diese bücher kennen all meine zweifel, abgründe und neuanfänge :) eine art seelenprotokoll.

vor ein paar tagen fiel mir beim räumen durchs bücherregal eins meiner alten notizbücher in die hände und ich habe eine ganze weile drin gelesen. ich, vor vier jahren. umzug nach hamburg, kurz vor der geburt unseres dritten kindes. in dieser zeit habe ich fast täglich geschrieben. diese seiten nach längerer zeit nochmal zu lesen war etwas besonderes und wertvolles: zu sehen, was mich in dieser zeit bewegt hat, wie sich sorgen und ängste gelöst, lebensumstände, gefühle und gedanken verändert haben.

alles in dieser zeit vor der geburt war geprägt vom warten. sieben tage vor der geburt habe ich geschrieben:

dieses mal denke ich soviel darüber nach, was alles passieren könnte. das ist eigentlich alles, was reingeht in meinen kopf. eine komische, außergewöhnliche zeit – das warten, hoffen, die stimmungsschwankungen – aber halt auch ein außergewöhnlicher schöpfungsakt.

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in vielerlei hinsicht geht es mir mit unserem hausbau genauso. natürlich kommt nichts an die einmaligkeit eines kindes heran, aber die letzten monate sind auch sehr geprägt vom warten – warten auf den nächsten meilenstein, auf den nächsten bedeutenden schritt. die unterschrift unter dem kaufvertrag, das erste baggerschaufeln, richtfest, fenster und türen werden eingebaut, … einzug ins neue zuhause. und immer, wenn der eine schritt erreicht ist, wartet man auf den nächsten, richtet seine energie und hoffnung darauf. es gibt diese zeiten im leben, wo alles auf ein großes ereignis ausgerichtet ist und man wartet – darauf, dass etwas vollendet wird.

ein schritt, auf den ich sehnlichst gewartet habe – auch wenn andere mit sicherheit wichtiger waren: endlich die ersten wände anzumalen. endlich selbst aktiv zu werden. was bunt zu machen :-) unser haus wird langsam aber sicher wohnlich und jedesmal, wenn ich eine wand weiß gestrichen habe, ist das ein fest!

und die küche, wenn die erstmal fertig ist, dann… ja dann… sind wir einen schritt weiter…

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hi!

ich hab leider keine zeit!

bedauerlich. ich vermisse mein blog und das schreiben. sehr! ich habe festgestellt, dass es der richtige kreative kanal für mein kreatives (so würde ich es gerne nennen, wahrscheinlicher trifft es aber chaotischschusseligesgedankengefühleüberladenes) hirn ist. es lässt mich darüber nachdenken, über was ich eigentlich nachdenke – was mich beschäftigt, was mir wichtig ist an meinen tagen. und jetzt passiert so viel und ich habe keine zeit, darüber zu schreiben und es ordentlich und hübsch zu verpacken. so viel, dass ich auch gar nicht mehr weiß, wie ich es sortieren oder in worte zusammenfassen soll. ach…

meine liebe freundin, seit kurzem blogleserin (da siehste mal, schon kommst du hier vor), verwundert sich darüber, dass ich hier über dinge schreibe, über die ich nicht rede, wenn wir uns nachmittags sehen. also, abgesehen davon, dass ich ihr die persönlichsten dinge erzähle, über die ich hier nicht rede, finde ich das ganz natürlich. denn das ist eins der schönen dinge am bloggen. dass es mich zum nachdenken bringt, über dinge, die im alltagstrott an mir vorübergehen. und manchmal brauche ich ein paar tage, um mir darüber klar zu werden.

in den letzten tagen habe ich ein paarmal angefangen, was zu schreiben, bin aber nie über die ersten sätze gekommen – zu müde, zu wenig zeit.

hier zum beispiel mittwoch:

heute morgen die kinder zur schule verabschiedet und in den kindergarten gebracht und dann, wie immer heutzutage, zum haus gefahren und gestrichen. von muskelkater kann nicht mehr die rede sein. ich würde es eher als teillähmung bezeichnen. mein rechter arm ist nicht mehr imstande etwas schwereres als eine kaffeetasse zu heben  – decken streichen macht am wenigsten spaß! mittags noch schnell einkaufen im weißgesprenkelten look. zurück und die kinder aus dem kindergarten geholt. statt mit zwei kindern mit vier kindern nach hause gegangen. spross und sprösschen wollten ihre freunde mitnehmen.

meine tochter rief mich auf dem weg an: ich bin schon zu hause, physik fällt aus, kann ich eierpfannkuchen zum mittag machen??? bitttte!!!

ich kam nach hause, die spülmaschine war ausgeräumt, der tisch war gedeckt, eierpfannkuchen für fünf kinder fertig!

danke, physiklehrer!

danke, tochter!!!

nachmittags zuhause mit den kindern. freundin war zu besuch. abends ein paar ruhige minuten, in denen meine sprosse mit den jungs gerätselt und gemalt hat und ich mir was ordentliches zu essen machen konnte. große kinder sind toll! mann kam nach hause, ich zurück zum haus, gestrichen bis halb zwölf.

und so oder so ähnlich laufen meine tage im moment.

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manchmal fühle ich mich wie ein emotionengeschüttelter teenager. zu tode betrübt und himmelhochjauchzend – ganz das klischee. und das mir, einer gestandenen mittdreißigerin. das macht dieses haus mit mir. den einen tag treibt es mich in den wahnsinn, am nächsten tag könnte ich seine grauverspachtelten, nackten wände knutschen.

manchmal genügen kleinigkeiten, um mich verzweifeln zu lassen. dann bin ich fest davon überzeugt, dass das nie was wird und schon gar nicht ordentlich. wenn ich in dieser stimmung bin, muss ich auf dem rückweg im auto die musik sehr laut drehen und mitgrölen, um den ersten dampf abzulassen.

für diese frustverarbeitende maßnahme kann ich euch übrigens wärmstens endlich ein grund zur panik” von wir sind helden ans herz legen. wir sind helden sind ja eh eine meiner alltime favorites, und mit diesem lied haben sie mir den soundtrack für meine hausbaubedingte, immer wiederkehrende, latente panik geliefert. mit diesem lied kann man wundervoll ausrasten, sich seiner verzweiflung hingeben, dem fiasko singend ins auge blicken (und das ist jetzt keinesfalls übertrieben…)

heute wiederum war ein sehr zufriedenstellender tag, fantastisch, marvelous, wonderful! das wird alles super! ich bin glücklich. ich habe zwei fugen sehr hübsch mit maleracryl verspachtelt. zwei dösige fugen haben ausgereicht, um für diese höchst vergnügte laune zu sorgen…

mein mann und ich hatten heute spaß. die aufgaben sind klar verteilt – er kann spachteln und schleifen, ich kann gut mit maleracryl. wir haben uns lustige namen gegeben – er ist der fugenkönig und ich die acrylkönigin. (wem das zu albern ist, kann uns auch dick und doof nennen. wobei ich klarstellen möchte, dass ich nicht dick bin…)

ich sag ja: gefrustet, glücklich, verzweifelt, albern… wie ein teenager. ich hoffe, dass ich wieder normal werde, wenn wir erstmal eingezogen sind.

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malerarbeiten

wir haben in diesen tagen angefangen, in unserem haus fugen zu verspachteln, zu schleifen, zu malen, zu streichen und was man halt so selbst machen kann. für so ein projekt verbringt man dann auch ziemlich viel zeit in diversen baumärkten.

als ich neulich so durch die gänge mit dem malerbedarf schlenderte, um das sortiment an pinseln, gipsputz und grundierungsfarbe zu checken, fiel mein blick auf folgendes:

ich meine… häh???

soll mich das anmachen? welcher irregeleitete werbefuzzi denkt sich denn so was aus? (entschuldigung an alle werbefuzzis, die dies zufällig lesen, ich bin mir sicher, ihr seid vernünftige werbefuzzis) soll ich jetzt gleich den drang verspüren, die farbe zu kaufen, die zu dieser werbung gehört – nur weil der goldbestäubte typ da ‘ne farbrolle stemmt? also ehrlich!

natürlich habe ich daraufhin zu meinem mann gesprochen: “mann! erstens kann ich keine sekunde länger glücklich sein, wenn wir nicht sofort diese farbe kaufen und zweitens möchte ich, dass du mit nacktem und goldbestäubten oberkörper die wände in unserem haus spachtelst!”

aber was macht der mann? läuft so rum:

ich steh’ ja mehr auf weißbestäubte kerle!

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