manchmal habe ich den eindruck, dass kinder im trotzalter schlicht und ergreifend nicht wissen, worüber sie sich ärgern sollen und sich deshalb die sinnlosesten dinge aussuchen. oder im gegenteil, sie könnten sich über alles ärgern und wählen dann einfach nach glücksradprinzip. ah, das glücksrad bleibt bei – sagen wir mal – dem thema trinken stehen, diesmal kaufe ich ein a wie ausrasten dazu…
neulich war im kindergarten zur abholzeit die apfelschorle alle. julius war sehr betroffen von der aussicht, seinen heimweg ohne sein übliches abschiedsschlücklein antreten zu müssen. sehr betroffen! er trinkt gerne noch einen kleinen schluck vor dem aufbrechen. dieses mal war der fehlende abschiedsschluck im kindergarten wohl ein echter verlust, denn auf dem heimweg und für eine weitere geschlagene halbe stunde zu hause, jammerte, tobte, verzweifelte er, dass er seine apfelschorle im kindergarten trinken wollte. “ich will appelschorle im tilly!!” wir hatten einen reichen apfelsaftvorrat im haus und da das kind offensichtlich durst hatte, bekam er auch gleich einen becher vor die nase gesetzt. aber diese apfelschorle zu dieser tagesstunde kann man anscheinend nur im tilly trinken. julius bestand darauf, seine apfelschorle nur im kindergarten trinken zu wollen. für einen kurzen, verrückten moment schoss mir der gedanke durch den kopf: ich nehme die blöde apfelschorle, geh mit dem kind zurück (wir brauchen nur 5 minuten zum kindergarten) und dann soll er halt seine apfelschorle da trinken. – bruchteilsekundengeistesgestörtheit!
ein zweites beispiel: julius setzt sich manchmal wenn er lust hat, auf die toilette. dafür zieht er alles aus, legt seine windel neben sich und hockt da und ist stolz. wenn er fertig ist, mache ich ihm eine neue windel um und helfe beim wieder anziehen. dieses mal wollte julius keine neue windel, sondern seinen alte pipiwindel wieder um haben. hab ich verweigert… geschrei… lange. irgendwann hangelte er sich zum windeleimer hoch, fischte sich seine alte windel wieder raus und lief mit der windel in den armen hinter mir her. der dialog ging so:
jul: ich will meine windel (pipiwindel im arm wie geliebtes stofftier)
ich: julius, die windel ist ziemlich voll, ich geb dir eine neue… (erklär,erklär)
jul: ich will meine windel!!!
(wiederhole mehrmals)
jul: ich will meine Windel!
ich: nein! (kurz und knapp)
jul: ich will meine windel!!!
(wiederhole mehrmals)
jul: ich will etc pp.
ich: (schweigendes ignorieren)
jul: ich will meine windel!!
relativ simpel, das muster…
heute bin ich sogar von der polizei angehalten worden wegen meines trotzanfälligen kindes! kurz die ausgangssituation geschildert: kindergarten, abholen, kind wollte nicht zu fuß, sondern auf dem arm nach hause getragen werden. mutter hatte aber kinderwagen mit, wollte kind im kinderwagen, hat sich entschieden, durchzuziehen… geschrei. hinter uns kam ein polizist des weges, überholte und fragte, ob er behilflich sein kann. ich dachte: ganz bestimmt nicht. hab es aber nicht gesagt, schließlich sagt man sowas nicht, wenn einem die polizei hilfe anbietet. sagte also: ja, wenn sie ihn davon überzeugen können, in den kinderwagen zu steigen. hat der gute mann auch wacker versucht. die polizei, dein freund und helfer. seine freundlichen überredungsversuche sind aber leider an meinem beharrlichen kind gescheitert. er hatte dann allerdings doch noch erfolg, denn nachdem der polizist und ich uns noch ein paar minuten nett über kinder unterhalten hatten und er sich verabschiedete, ging julius kurz ein licht auf in seinem trotznebel. ” ist das ein polizei?” für fünf sekunden schaute er sehr beeindruckt hinter dem mann her, dann gings wieder los.
für einen kurzen, verrückten moment war ich in versuchung, ihm zu sagen, dass die polizei jetzt jedesmal kommt, wenn er heult. – bruchteilsekundengeistesgestörtheit!
im allgemeinen kann ich aber versichern, dass ich ziemlich selten genervt bin von heulenden kindern und das alle meine kinder ziemlich harmlos trotzanfällig waren/sind. also, herr polizist, kein grund zur sorge, ehrlich!















