27. Januar 2012

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warten

seit etwas über zehn jahren schreibe ich tagebuch. phasenweise fast jeden tag, meistens jedoch sehr unregelmäßig und manchmal vergehen wochen und monate, ohne dass ich etwas aufschreibe. nicht das typische “liebes tagebuch, heute passierte dies und jenes…”-tagebuch.

in nutze die zeiten, in denen ich alleine zuhause bin und versuche, mir davon ein halbe stunde zu nehmen. ich mache mir einen kaffee, schnappe mir meine bücher, kuschel mich in meine sofaecke und versuche still zu werden. zu beten. meine sorgen, gedanken, gefühle, wünsche abzuschalten oder neu zu ordnen. manchmal lese ich in der bibel, manchmal versuche ich auch einfach nur zur ruhe zu kommen.

und ich schreibe auf, was in mir vorgeht. beim schreiben kann ich sortieren und manchmal klarer erkennen. diese bücher kennen all meine zweifel, abgründe und neuanfänge :) eine art seelenprotokoll.

vor ein paar tagen fiel mir beim räumen durchs bücherregal eins meiner alten notizbücher in die hände und ich habe eine ganze weile drin gelesen. ich, vor vier jahren. umzug nach hamburg, kurz vor der geburt unseres dritten kindes. in dieser zeit habe ich fast täglich geschrieben. diese seiten nach längerer zeit nochmal zu lesen war etwas besonderes und wertvolles: zu sehen, was mich in dieser zeit bewegt hat, wie sich sorgen und ängste gelöst, lebensumstände, gefühle und gedanken verändert haben.

alles in dieser zeit vor der geburt war geprägt vom warten. sieben tage vor der geburt habe ich geschrieben:

dieses mal denke ich soviel darüber nach, was alles passieren könnte. das ist eigentlich alles, was reingeht in meinen kopf. eine komische, außergewöhnliche zeit – das warten, hoffen, die stimmungsschwankungen – aber halt auch ein außergewöhnlicher schöpfungsakt.

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in vielerlei hinsicht geht es mir mit unserem hausbau genauso. natürlich kommt nichts an die einmaligkeit eines kindes heran, aber die letzten monate sind auch sehr geprägt vom warten – warten auf den nächsten meilenstein, auf den nächsten bedeutenden schritt. die unterschrift unter dem kaufvertrag, das erste baggerschaufeln, richtfest, fenster und türen werden eingebaut, … einzug ins neue zuhause. und immer, wenn der eine schritt erreicht ist, wartet man auf den nächsten, richtet seine energie und hoffnung darauf. es gibt diese zeiten im leben, wo alles auf ein großes ereignis ausgerichtet ist und man wartet – darauf, dass etwas vollendet wird.

ein schritt, auf den ich sehnlichst gewartet habe – auch wenn andere mit sicherheit wichtiger waren: endlich die ersten wände anzumalen. endlich selbst aktiv zu werden. was bunt zu machen :-) unser haus wird langsam aber sicher wohnlich und jedesmal, wenn ich eine wand weiß gestrichen habe, ist das ein fest!

und die küche, wenn die erstmal fertig ist, dann… ja dann… sind wir einen schritt weiter…

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