vom wochenende

kinder, wir haben eine neue familientradition! Ich glaube, ich habe den herbst bisher immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt. der winter ist toll, die ganze bastelei, gemütlichkeit, kerzen, schnee, weihnachten, zwei geburtstage im dezember, dekorieren, backen. der winter, der hat ordentlich was zu bieten. frühling ist auch toll, ostern, dekorieren (ich wiederhole mich), blumen, alles wird grün, diese ganz besondere erste warme luft, die riecht so großartig. winter und frühling sind so verheißungsvoll, erfüllt vom warten auf besonderes. der sommer amüsiert sich von alleine, der ist eh toll. aber der herbst. im herbst wartet man auf nix, da verarbeitet man die tatsache, dass der sommer vorbei ist. ich weiß, ich sagte, ich mag kastanien sammeln und ich liebe auch die bunten farben, aber sonst war der herbt für mich immer die graue maus unter den jahreszeiten (sprichwörtlich, gell?).

aber jetzt. wir haben unseren ersten kürbis ausgehöhlt und geschnitzt. wieso hat mir keiner gesagt, wieviel spaß das macht? mein mann hat wie selbstverständlich das schnitzgeschäft in die hand genommen (gehört das eigentlich so? ähnlich wie auch das tannenbaum aufstellen und am grill stehen anscheinend männersache ist?). die kinder und ich haben zugeguckt, kommentiert, auch mal reingegriffen und nebenbei herbstdeko gebastelt. wir hatten einen durch und durch herbstlichen samstag. kürbis geschnitzt, klopapierrollen angemalt (warum das herbstlich ist nächstes mal), kürbiskerne geröstet, kürbis-kartoffel-puffer gemacht. und abends gab es familiendrücken auf dem sofa und unser kürbis leuchtete hell und heimelig vom balkon aus durchs wohnzimmerfenster. der kleinste war schon im bett, aber die beiden großen fanden das so schön und waren so aufgeregt, als gäb´s gleich noch bescherung unterm kürbis.

“wer ist dieses wesen mit schrecklichen klauen, und schrecklichen zähnen, um tiere zu kauen? mit feurigen augen, einer zunge soo lang und stacheln am rücken, da wird´s einem bang! o schreck, o graus, ich fürcht mich so, es gibt ihn doch, den grüffelo!

julius war einigermaßen fasziniert und hielt es offenbar erstmal für sicherer hinter papas rücken. nach lage checken hat er sich dann doch noch getraut, einen blick hinein zu werfen. bei uns gibt es nicht so oft kürbis…

ich glaube, unser erstgeborener wird noch ein, zwei geschwister kriegen (großeltern, aufgepasst! text richtig lesen! ich meine den kürbis) denn das hat allen spaß gemacht und beim gemütlichen kürbis anhimmeln haben wir im internet noch eine menge schöne ideen gefunden und außerdem für unseren mittleren spross die frage geklärt, wie kürbisse eigentlich wachsen.

kind: mama, wie macht man die?

ich: wie “wie macht man die”? ach so, die macht man nicht. die wachsen. so wie ein apfel. das ist gemüse. (das war eine total doofe und unlogische antwort, seh ich ja ein).

nachdem er diese info fünf minuten schweigend verdaut hatte: mama, wie dick muss ein stengel sein, damit der kürbis da dran sein kann?

ich: wie “wie dick”?

kind: na, wie groß muss der baum sein?

meine mann amüsiert sich: ah, das kind stellt die richtigen fragen.

ich: ach sooo! (mein groschen fällt und ich muss mir kurz vorstellen, wie moritz sich einen baum vorstellt, an dem kürbisse wie äpfel hängen. lustig!) kürbisse wachsen nicht an bäumen, die wachsen an pflanzen und liegen auf der erde.

danach haben wir dann bei google bilder von kürbispflanzen gesucht und die allerlei schönen ideen. schöne ideen für kürbisdeko findet man z.b. hier und hier. oder man gibt einfach “jack o lantern” (so heißt er in amerika) in die googlebildersuche ein. unglaublich, was die leute alles in so einen kürbis schnitzen. daneben nimmt sich unserer recht bescheiden aus, aber wir lieben ihn trotzdem.

※※※

wieder einmal habe ich festgestellt und ich glaube, ich habe inzwischen ausreichend beweise gesammelt, um es amtlich und offiziell zu verkünden: wir sind die meister des chaos! würde man uns zu einer beliebigen stunde des tages besuchen, könnte man den eindruck gewinnen, wir wären grade frisch eingezogen. dass am ende des tages jedesmal wieder einigermaßen die ordnung wiederhergestellt ist, verwundert mich arg. jedesmal, wenn das chaos so perfekt ist, denke ich: so, das war´s. das kriegen wir nicht mehr hin. das aufzuräumen brauche ich die ganze nächste woche…

aber das nur so nebenbei.

※※※

mein mann und ich haben mit unserer großen sprosse des abends zusammen den schönen schnulzenschniefzfilm “wie ein einziger tag” gesehen. verfilmung eines buches von nicholas sparks, allseits bekannt für seine flachen (sag ich jetzt mal einfach ganz gewagt) und meist traurigen liebesgeschichten. habe ich früher auch ein paar von gelesen. ich weiß nicht, was das ist mit mir und solchen filmen. die ersten zwei drittel langweilen mich und ich beschäftige mich nebenher mit  buch lesen, am computer daddeln, essen, …, weil die geschichte zwar schön, aber so vorhersehbar ist. kaum kommt es zum tragischeren teil, fange ich an, zu heulen, als hätte mich nie etwas mehr mitgenommen! das ist doch peinlich. vor allem, wenn meine tochter neben mir sitzt und ich mich vorher ein klitzekleines bisschen über den kitsch lustig gemacht habe. wenn ich nämlich solche filme mit meinem pubertierenden kinde gucke, verfalle ich sofort in einen aufklärungsmodus. nicht, dass mein kind mit der illusion aufwächst, dass diese liebesharmonie normal wäre. das sei ferne! darum verderbe ich ihr in regelmäßigen abständen den spaß, indem ich stöhne: “meine güte, sind die frrröhlich!” oder nachäffe:”ich kann sein für dich, was du willst, du musst es nur sagen!” um ihr die übertreibung vor augen zu halten und sie so vor späteren enttäuschungen zu schützen. jaaha, man muss seine kinder schließlich auf die realitäten des lebens vorbereiten. da habe ich schließlich eine verantwortung. während eine weiteren friede-freude-eierkuchen-szene entwickelte sich folgender dialog zwischen uns:

meine mann und ich (immer abwechselnd den ball zuspielend): “oh ja, küsschen, knutschen. – warum quietscht sie eigentlich immer so? – uhh, er kann sein für sie, was sie will… – mann, die sind aber auch verliebt, die hoppeln ja fröhlich durch die gegend.”

tochter schaltet sich ein: “seid ihr etwa nicht mehr so verliebt?”

mann und ich gucken uns an und nach mehreren albernen antworten spricht mein mann: “deine mutter und ich befinden uns in einem stadium tieferer liebe, in der wir nur noch in gedanken durch die gegend hoppeln.”

großes gelächter meinerseits, völlige verständnislosigkeit seitens der tochter. ich bin mir nicht sicher, ob wir das erziehungsziel im eigentlich angestrebten sinne erreicht haben… oder ob unsere tochter uns einfach nur für blöd hält.

flattr this!

Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>